Mercedes SL Test: Wir fuhren den neuen 350 SL

Der neue Mercedes SL ist eine Wucht. Vor allem die turbogedopten Drehmomentmonster SL 500, SL 63 AMG und SL 65 AMG sorgen für erhöhten Speichelfluss. Doch auch das sparsame Basismodell SL 350 weiß zu begeistern.

31. März: In Konstanz scheint die Sonne, also fahren wir gleich mal das mit Kunststoff verkleidete Dach des Mercedes SL ein. Durchs Panorama-Sonnendach kommt zwar auch viel Licht, aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat… Unser spärliches Gepäck findet im Kofferraum gut Platz, wir im mit bengalrotem Leder ausgeschlagenen Innenraum des SL 350 ebenfalls. Per Knopfdruck springt der 3,5-l-V6-Saugmotor an. Seine 306 PS und 370 Nm Drehmoment mobilisiert er, ohne akustisch wesentlich darauf hinzuweisen. Nur beim Kickdown gibt der iridiumsilberne Mercedes SL 350 Laut.

Neuer Mercedes SL braucht Platz zur Entfaltung

Der SL 350 ist für den Stadtverkehr viel zu schade – klar, die 7G-TRONIC PLUS Automatik und das serienmäßige Start-Stopp-System nehmen einem das ewige Schalten sowie Kuppeln an jeder Ampel ab und sparen gehörig Sprit, doch fühlt man sich mit dem Mercedes SL trotz aktivem Parkassistent auf nicht zu schmalen Landstraßen viel besser aufgehoben. Hier können die direkte Lenkung  und das Sportprogramm ihre Stärken ausspielen: Auch enge Kurven lassen sich mit den montierten 17-Zoll-Alufelgen flott durcheilen, ohne den Mercedes Roadster ins Schwitzen zu bringen. Das schafft vielmehr die SL-Preisliste – der von uns getestete Wagen schlägt inklusive Mehrwertsteuer mit 111.056,75 Euro zu Buche.

Mercedes SL 350 verführt zum Fahren in Saus und Braus

Dafür ist im Mercedes SL Test-Fahrzeug Sonderausstattung zum Preis eines ordentlichen Kleinwagens untergebracht – wir gelangen auf die Autobahn, fahren nun das elektrische Windschott hoch und treten aufs Gas: Der SL 350 ist oberhalb der 100 km/h, die er aus dem Stand in 5,9 Sekunden erreicht, noch lange nicht am Ende seiner Kräfte. Den draußen brandenden Sturm hält das Schott auch bei Tempo 220 aus dem Mercedes Roadster fern, nicht aber das Getöse des Windes. Vom Harman Kardon Logic 7 Surround-Soundsystem ist nun nicht mehr viel zu vernehmen. Was soll’s, die äußerst bequemen Multikontursitze laden ein, die vorbeifliegende Landschaft zu genießen und seinen Gedanken nachzuhängen.

Normverbrauch im SL 350 Test klar verfehlt

Auf den im Mercedes SL 350 durchaus möglichen Verbrauch von kombiniert 6,8 l/100 km kommen wir nicht, was den schweren Gasfüßen der beiden Fahrer zuzuschreiben ist – denn zum Dahinbummeln á la NEFZ ist der 250 km/h schnelle SL 350 einfach nicht gemacht. Stattdessen animiert der neue Mercedes SL dank Power und Handling viel zu sehr zur genussvollen Raserei.