Moderner Dreikampf auf dem Piaggio MP3

Ein Dreirad mit Motor – da schwebt einem sofort ein Trike vor, mit langer Gabel und hinten zwei richtig dicken Walzen. Befeuert wird das Gefährt natürlich von einem V2 oder einem Käfermotor. Piaggio stellt mit dem X8-Nachfolger MP3 klar, dass diese Vorstellung überholt ist.

Flotter Dreier aus Italien

Zunächst erscheint der MP3 wie ein gewöhnlicher Roller, wären da nicht zwei Räder an der Vorderachse. Ab dem Lenkkopf ist es ein Roller, so wie man ihn kennt. Doch trotz mehr als 50 ccm Hubraum darf jeder Inhaber eines Autoführerscheins Spaß an den Viertaktmotoren haben. Die ausreichende Spurweite von 465 mm bewirkt nämlich, dass der MP3 als Dreirad eingestuft wird und so für den Betrieb keinen Motorradführerschein verlangt. Mit diesem Kniff will Piaggio die Pkw-Fahrer anlocken. Die Gesetzeslage bedingt jedoch auch eine platzraubende Fußbremse die auf alle Räder wirkt, zusätzlich gibt es die Handbremshebel für vorn und hinten am Lenker.

Dreikampf im Straßenverkehr

Mittels dritten Rades ermöglicht der MP3, die Gefahren des Rollerlebens zu minimieren. Sorgten sonst nasses Laub oder rutschige Kanaldeckel in Verbindung mit den rollertypischen kleinen Reifen schnell für brenzlige Situationen, bleibt der MP3 souverän. Im Gegensatz zum Trike durcheilt der innovative Italiener Kurven in solchen Schräglagen, die eher großvolumige Rennmaschinen als ordinäre Baumarktroller erlauben. Mit der Roll-LockVerriegelungsautomatik koppelt man bis 10 km/h die sich sonst parallel bewegenden Vorderräder zusammen und muss beim Ampelstop keinen Fuß als Stütze bemühen. Zudem erleichtert das System des Piaggio das Anfahren bei Regen.

MP3 mit 125, 250 und 400 ccm erhältlich

Damit der MP3 trotz allem beim Start nicht umkippt, gilt es, ordentlich aufs Gas zu treten. Die Einzylinder mit 15,0, 22,5 und 34,0 PS gehen beherzt zur Sache, die maximale Leistung stellt sich bei 7000 Touren ein. Dabei genehmigt sich der MP3 allerhöchstens vier Liter, flitzt aber autobahntaugliche 125 km/h als 250er und 140 in der 400 ccm-Version. Der 125er kommt immerhin auf knapp 100 Spitze. Elektronikmuffel freuen sich über das nicht erhältliche ABS und die schwarze Markierungslinie des blockierenden Hinterrades. Wegen der enormen Spurtreue wird die Stotterbremse im MP3 ohnehin nicht benötigt.

Vom Vierrad aufs Dreirad

Ab 2010 soll ein weiteres Schmankerl das ungewöhnliche Dreirad aufwerten, Piaggio sieht die Einführung eines Hybridantriebs vor. Der nicht ganz günstige Spaß, ein Zweirad außerhalb der Schnapsglasklasse zu fahren, kostet den Interessenten rund 6850 € für den 250er und 7800 € für den MP3 mit 400 Kubik. Mehr Fahrdynamik wird er jedoch kaum finden.